Das Treffen bei der Schildrunde

“ Taif… wie wird er eigentlich geschrieben?” Al Bear notiert letztendlich Typhoons Namen so, wie man ihn spricht, auf der Liste. “Mal schauen, wer von uns mehr versagt. Ich beim Schwimmen oder er beim Ringen.”

Als der junge Stergask sich herum dreht, sieht er in der Ferne einen ihm bekannten Kopf über der Menge. Seit er denken kann, sieht er zu diesem Kopf auf und kurzentschlossen geht er auf ihn zu. “Hey Ulv, wie geht’s? Meldest du dich auch beim Ringen an?” “Al, du winzigster aller Brüder!” Sichtlich erfreut umarmt er seinen eineinhalb Köpfe kleineren, aber dafür doppelt so breiten Bruder. “Uns geht es so wie immer - prinzipiell gut, solange die Kundschaft nicht ausbleibt.” Ulv wartet kurz. Als er merkt, dass Al nicht so recht weiß, was er sagen soll, setzt er fort. “Und du? Hast du schon die Ehre gefunden, die du suchst und kannst mit stolzgeschwellter Brust zurück ins Jungfernrund kommen?” “Naja … ” Al schaut verlgen auf Ulvs Schuhe. “Wir haben bis jetzt noch nicht so viel gehört - außer dass eure Gruppe wohl öfter mal in Schwierigkeiten steckt. “Mh .. das wird schon noch.” Al Bear hadert immer noch mit den Worten, aber findet wieder die Courage, seinem großen Bruder ins Gesicht zu blicken. Dieser wartet geduldig, bis Al sich soweit zusammenreißt und ihm erzählt, was ihn seit dem gestrigen Kampf beschäftigt. “Erinnerst du dich daran, wie ich damals so lange über deine Freundin hergezogen bin, bis du ausgerastet bist?” “Du meinst, als du sie ‘Warzengesicht’, ‘Furunkelnase’ und ‘Pestbeule auf zwei Beinen’ genannt hast?” Ulvs Miene verdüstert sich. Die Erinnerung an diese Phase ihrer Bruderbeziehung erregt in ihm offenbar keine angenehmen Gefühle. Al bemerkt das, versucht aber seine Haltung zu bewahren und zum Punkt zu kommen. “Damals haben sich deine Gesichtszüge verändert und deine Zähne wurden deutlich länger. Mir ist gestern zum ersten Mal etwas ähnliches passiert - meine Hände wurden zu Klauen, fast wie die der Drachenabbilder bei uns im Keller. Weiß du, was mit uns los ist? Hat das der Rest unserer Familie auch?” “Bei Glen und Nir habe ich das noch nie gesehen. Drogen verhindern vielleicht, dass ihre Emotionen so stark werden. Mir passiert es eher selten und ich habe einen großen Respekt davor. Man weiß schließlich nie, wie die Leute reagieren. Aber Dad ist ein Meister - er kann seinen Zorn derart kanalisieren, dass er sich demjenigen, der dieses Gefühl in ihm erregt, vollkommen ruhig gegenüber setzt und ihm sein Drachengesicht zeigt - ohne ihm den Kopf abzubeißen. Ich habe von ihm gelernt, Wut und Zorn soweit zu unterdrücken, damit ich meine Mädels nicht verschrecke, sollte ein Kunde mal eine Sonderbehandlung benötigen. Er würde dir bestimmt auch einiges beibringen, falls du über dein Ego springst und wieder für uns arbeitest.” “Aber wenn ich jetzt zurückkehre, hält er mich garantiert für einen Schwächling, der sein Vorhaben nicht durchzieht.” “Du hast die Gabe - das weiß er noch nicht und wird ihn garantiert beeindrucken.” “Erzähl ihm bitte nichts.” Al atmet tief durch. “Ulv, wenn ich es soweit bringe, dass Gerüchte über einen Mensch gewordenen Drachen bis ins Jungfernrund dringen, kannst du ihm gerne reinen Wein einschenken. Aber bis dahin, versuche ich anderweitig zu Ruhm und Ehre zu kommen. Zum Beispiel, indem ich dich im Ringen aufs Kreuz lege. Vergiss nicht, dass Größe nicht alles ist. Bist du nun schon eingeschrieben?” “Na sicher!”

Die beiden Brüder grinsen sich an und gehen zu einer nahen Garküche. Bei einem Eintopf unterhalten Sie sich über den Klatsch und Tratsch aus dem Jungfernrund und die kleineren Probleme, die man als freischaffende “Gärtner”, “Kammerjäger”, “Transportmulis”, … (Ulv hat eine erstaunliche Bandbreite an mehr oder weniger unschmeichelhaften Bezeichnungen für Als aktuellen Status) so hat.

Zur Verabschiedung drückte Ulv seinem kleinen Bruder schließlich noch ein 10er-Bündel Passierscheine in die Hand. Al freute sich innerlich riesig, dass seine Familie trotz allem noch an ihn und sein Wohlergehen dachte.


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